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Lauteracher Linsentag: Leisa mit Schbatza ohne Soita!
"Leisa"
heißen die Linsen auf schwäbisch, um die sich alles auf dem
"1. Lauteracher Linsentag" am letzten Samstag auf dem Bioland-Hof
Mammel drehte.
Eingeladen hatte dazu der Bund Naturschutz Alb- Neckar (BNAN) mit seiner
aktiven "Bezirksgruppe Ehingen- Riedlingen", unter der Leitung
von Bruno Roth (Untermarchtal) und die Erzeugergemeinschaft "Alb-Leisa",
die z. Z. aus 5 Biobauern besteht, welche versuchen, den Linsenanbau mit
der heutigen Technik wirtschaftlich durchzuführen. Daß Linsen
auch wirklich bis Anfang der 50ger Jahre nach dem 2.ten Weltkrieg auf
der Alb noch ausgesät, gemäht, gedroschen und gereinigt wurden,
schilderten drei "Zeitzeugen" in einem Podiumsgespräch
mit Woldemar Mammel zur Einführung in die Veranstaltung. Hedwig Walz
aus Nasgenstadt (ursprünglich Justingen) fühlte sich geradezu
in ihre Kindheit zurückversetzt, als sie vorführte, wie man
eine Kaffeetasse voll Linsen verliest, die ungeliebte Aschenputtel-Methode,
Linsen aus Gerste, Unkrautsamen und Steinchen herauszusortieren. Linsen
mussten nämlich zusammen mit Gerste oder Hafer als Stützfrucht
angebaut werden, an der sich die zarten Linsenpflänzchen mit ihren
Ranken festhalten konnten.
Anton Fisel erzählte vom kleinbäuerlichen Selbstversorgeranbau
in Lauterach, wie die Linsen ausschließlich auf den steinigen Böden
ausgesät wurden, nie jedoch auf den guten Lößböden,
wo die Pflanzen mehr ins Kraut schießen und weniger Frucht ansetzen.
Hermann Erzberger aus Bremelau ist in Gundelfingen aufgewachsen, wo sein
Vater, der "Linsenkönig vom Lautertal", wohl einer der
größten Linsenanbauer in der Region war. Er berichtete, wie
sie die mit einem Trieur gereinigten und zusätzlich handverlesenen
Linsen mit dem Fahrrad in die Kolonialwarenläden nach Münsingen
lieferten.
Die drei Zeitzeugen begeisterten die Zuhörer durch ihre lebhafte,
anschauliche Erzählweise, die immer wieder mit spontanem Applaus
belohnt wurde. Ein weiterer Zeitzeuge stand stumm daneben: Der originale
Handkurbel-Trieur, der zur Trennung von Gerste und Linsen in Lauterach
früher benutzt worden ist. Er stand ursprünglich im sogenannten
"Bruihaus" des Gasthofes zum "Engel". Die Funktion
von Dresch- und Reinigungsgeräten führte Max Mammel vor. Zu
Stiftendreschmaschine, Schneckentrieur, moderner Saatgutreinigung und
Trocknungsanlage wurden alle Fragen fachmännisch beantwortet.
Ein Spaziergang den steilen Hochberg hinauf führte zu einem steinigen
Acker, wo den Besuchern die Linsenpflanzen in Mischkultur mit Gerste vorgeführt
wurden. Nach dieser Bergtour konnten sich die Teilnehmer auf dem Hof stärken
mit "Leis-Gärschda-Brot" (Linsen-Gerste-Brot), welches
die Holzofenbäckerei von Loretto extra für diesen Tag gebacken
hatte. Die Kinder durften mit den Arbeitspferden über den Hof reiten,
Kaffee und Kranzbrot servierte der "Weltladen" aus Ehingen,
und Linsen mit Dinkelspätzla, der kulinarische Höhepunkt, hergestellt
vom Kronenwirt Martin Mutschler und von Gerold Steiner, wurde den ca.
200 Gästen, die aus ganz Baden-Württemberg angereist waren,
im Maschinenschopf serviert. Ohne Rauchfloisch ond Soitawürstla!!
Denn was hatte Anton Fisel erzählt? Linsen mit Spätzla ist bei
ihnen zu Hause ein typisches Freitagsessen gewesen, natürlich ohne
jegliche Fleischzulage. Und so kam´s auch auf den Teller, und zwar
reichlich! Ein typisches Essen aus armen Zeiten. Und allen hat´s
geschmeckt. Auch am Samstag.
Schwäbische
Zeitung Ehingen, 23.07.2002 |