Linsentag 2002
 
im Gespräch mit Zeitzeugen
   
 
Publikumsansturm
   
 
Historische Reinigungsmaschine: Schneckentrieur
   
 
Felderbegehung
 

1. Lauteracher Linsentag: Leisa mit Schbatza ohne Soita!

"Leisa" heißen die Linsen auf schwäbisch, um die sich alles auf dem "1. Lauteracher Linsentag" am letzten Samstag auf dem Bioland-Hof Mammel drehte.
Eingeladen hatte dazu der Bund Naturschutz Alb- Neckar (BNAN) mit seiner aktiven "Bezirksgruppe Ehingen- Riedlingen", unter der Leitung von Bruno Roth (Untermarchtal) und die Erzeugergemeinschaft "Alb-Leisa", die z. Z. aus 5 Biobauern besteht, welche versuchen, den Linsenanbau mit der heutigen Technik wirtschaftlich durchzuführen. Daß Linsen auch wirklich bis Anfang der 50ger Jahre nach dem 2.ten Weltkrieg auf der Alb noch ausgesät, gemäht, gedroschen und gereinigt wurden, schilderten drei "Zeitzeugen" in einem Podiumsgespräch mit Woldemar Mammel zur Einführung in die Veranstaltung. Hedwig Walz aus Nasgenstadt (ursprünglich Justingen) fühlte sich geradezu in ihre Kindheit zurückversetzt, als sie vorführte, wie man eine Kaffeetasse voll Linsen verliest, die ungeliebte Aschenputtel-Methode, Linsen aus Gerste, Unkrautsamen und Steinchen herauszusortieren. Linsen mussten nämlich zusammen mit Gerste oder Hafer als Stützfrucht angebaut werden, an der sich die zarten Linsenpflänzchen mit ihren Ranken festhalten konnten.
Anton Fisel erzählte vom kleinbäuerlichen Selbstversorgeranbau in Lauterach, wie die Linsen ausschließlich auf den steinigen Böden ausgesät wurden, nie jedoch auf den guten Lößböden, wo die Pflanzen mehr ins Kraut schießen und weniger Frucht ansetzen.
Hermann Erzberger aus Bremelau ist in Gundelfingen aufgewachsen, wo sein Vater, der "Linsenkönig vom Lautertal", wohl einer der größten Linsenanbauer in der Region war. Er berichtete, wie sie die mit einem Trieur gereinigten und zusätzlich handverlesenen Linsen mit dem Fahrrad in die Kolonialwarenläden nach Münsingen lieferten.
Die drei Zeitzeugen begeisterten die Zuhörer durch ihre lebhafte, anschauliche Erzählweise, die immer wieder mit spontanem Applaus belohnt wurde. Ein weiterer Zeitzeuge stand stumm daneben: Der originale Handkurbel-Trieur, der zur Trennung von Gerste und Linsen in Lauterach früher benutzt worden ist. Er stand ursprünglich im sogenannten "Bruihaus" des Gasthofes zum "Engel". Die Funktion von Dresch- und Reinigungsgeräten führte Max Mammel vor. Zu Stiftendreschmaschine, Schneckentrieur, moderner Saatgutreinigung und Trocknungsanlage wurden alle Fragen fachmännisch beantwortet.
Ein Spaziergang den steilen Hochberg hinauf führte zu einem steinigen Acker, wo den Besuchern die Linsenpflanzen in Mischkultur mit Gerste vorgeführt wurden. Nach dieser Bergtour konnten sich die Teilnehmer auf dem Hof stärken mit "Leis-Gärschda-Brot" (Linsen-Gerste-Brot), welches die Holzofenbäckerei von Loretto extra für diesen Tag gebacken hatte. Die Kinder durften mit den Arbeitspferden über den Hof reiten, Kaffee und Kranzbrot servierte der "Weltladen" aus Ehingen, und Linsen mit Dinkelspätzla, der kulinarische Höhepunkt, hergestellt vom Kronenwirt Martin Mutschler und von Gerold Steiner, wurde den ca. 200 Gästen, die aus ganz Baden-Württemberg angereist waren, im Maschinenschopf serviert. Ohne Rauchfloisch ond Soitawürstla!! Denn was hatte Anton Fisel erzählt? Linsen mit Spätzla ist bei ihnen zu Hause ein typisches Freitagsessen gewesen, natürlich ohne jegliche Fleischzulage. Und so kam´s auch auf den Teller, und zwar reichlich! Ein typisches Essen aus armen Zeiten. Und allen hat´s geschmeckt. Auch am Samstag.

Schwäbische Zeitung Ehingen, 23.07.2002