Die Schwäbische
Alb bildet eine Hochebene (500 – 1000 m ü. NN) aus Jurakalkgestein
mit sprichwörtlich „steinreichen“ und wasserdurchlässigen
Böden. Dies sind, abgesehen von klimatischen Faktoren, ideale Bedingungen
für Linsen. In Deutschland wurden sie früher hauptsächlich
in den kalkhaltigen Mittelgebirgen angebaut, während in den tieferen
Ebenen Erbsen und Bohnen bevorzugt wurden.
Wie Linsenfunde aus der Hallstattzeit (~500 v. Chr.) beweisen, hat der
Linsenanbau auf der Schwäbischen Alb eine lange Tradition. Noch 1840
wurden in Württemberg mehr Linsen als Erbsen und Bohnen erzeugt.
Im 19. Jahrhundert betrug die Anbaufläche in Württemberg mehrere
tausend Hektar.
Es waren hauptsächlich kleine Bauern, die auf Flächen von unter
einem Morgen (1 württembergischer Morgen entspricht 1/3 ha) Linsen
für den Eigenbedarf anbauten. Wenige Erzeuger, wie der als „Linsenkönig
vom Lautertal“ bekannte Bauer Erzberger aus Gundelfingen, bauten
mehrere Morgen zum Verkauf an.
Linsen, aber auch Erbsen und Bohnen waren früher als pflanzliche
Eiweißlieferanten überlebenswichtig, denn tierisches Eiweiß
war und ist teurer. Gemeinsam mit Getreideprodukten verzehrt, ergeben
Hülsenfrüchte eine vollwertige und zugleich preiswertere Mahlzeit.
Ein bekanntes Beispiel dafür ist das schwäbische „Nationalgericht“,
„Linsen mit Spätzla“. Weltweit ist diese Kombination
zu vergleichen mit Bohnen und Mais in Amerika oder Soja und Reis in Asien.
Wiederbelebung des schwäbischen Linsenanbaus
In
den 30ger und 40ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts züchtete
der württembergische Pflanzenzüchter Fritz Späth die Sorten
„Späths Alb-Linse 1“, „Späths Alb-Linse 2“
und „Spähts Hellerlinse“. Sie wurden bis in die 50ger
Jahre hinein auf der Alb angebaut. 1959/60 hat der vermutlich letzte Linsenbauer
Deutschlands aufgehört. Erst Anfang der 70ger Jahre besannen sich
einzelne Bauern auf die verschwundene Kultur. Das Linsensaatgut
kauften sie in Lebensmittelgeschäften, denn die Spähtschen Sorten
waren bereits verschwunden.
Angeregt von den Erzählungen der alten Bauern über die „Leis-Gerste“
beschloss 1985 auch Woldemar Mammel, ein Bioland-Bauer aus Lauterach (Württemberg),
wieder Linsen anzubauen. Da er die alten Sorten nirgendwo im Saatguthandel
fand und auch auf Dachböden, wo noch 30 Jahre zuvor Alblinsen gelagert
wurden, keine keimfähigen Körner mehr lagen, probierte er zunächst
Sorten aus Italien und Frankreich aus: Die in den Appeninen beheimatete
Italienische Berglinse und die als „Du-Puy-Linse“ bekannte
Sorte „Anicia“ stellten sich als passende Sorten für
das recht rauhe Alb-Klima heraus.
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